Globalisierung und Achtsamkeit

Während meines BWL-Studiums begegnen mir immer wieder Dinge, die mich zum Nachdenken bringen.

So auch vor allem bei den Recherchen für einen Vortrag, in dem es darum gehen sollte, wie jeder Mensch persönlich sein Bewusstsein als Weltbürger weiterentwickeln kann.
Und wie diese Haltungsänderung sich dann langfristig auch auf den Wirtschaftssektor auswirken könnte.
Weltbürgertum und Globalisierung hatten mein Interesse schon lange geweckt, aber das ich auch bei Fragen zu diesem Thema immer wieder die Antworten in Quellen fand, die von Achtsamkeitstechniken und Selbstreflexion sprachen, verwunderte mich doch vorerst.
Wie konnte ein Thema wie Globalisierung, welches wohl eines der größten Themen unseres Zeitalters darstellt, durch Achtsamkeit klarer betrachtet werden?

Der Prozess der Globalisierung hat sich in den letzten Jahren so rasant ausgedehnt, dass es fast selbstverständlich geworden ist, einen Geschäftstermin in New York zu haben und am Abend mit der Familie in Köln zu Abend zu essen. Diese Möglichkeiten des Handels, der Kommunikation und der Begegnung mit anderen Staaten und Kulturen, gab es so noch nie.
Und sie bieten in meinen Augen sehr viele Chancen, wenn sie achtsam betrachtet werden und ein Bewusstsein für den gemeinschaftlichen Umgang entstehen kann.

Durch die Schnelligkeit der Entwicklung unseres globalen Alltags, fällt es auch hier unserem Gehirn schwer, sich mit den neuen Begebenheiten vertraut zu machen und diese zu verstehen und zu fühlen. Denn wie Ex Bundespräsident Rau schon 2002 sagte, stecken wir mittendrin in der globalen Welt, aber verstehen oft noch nicht was um uns herum passiert.

„Von der Globalisierung sind wir alle betroffen – noch bevor alle genau wissen, wie sie eigentlich funktioniert.
Darum müssen wir zu begreifen versuchen, was geschieht und warum es geschieht.“
Berliner Rede 2002 von Johannes Rau (ehem. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland)

Je größer die Gemeinschaft an Menschen, welche in Kontakt miteinander stehen, desto wichtiger wird es, die sogenannte ''Ellenbogen-Mentalität'' zu verändern. Unserem Gehirn bewusst zu machen, dass es nicht mehr ums nackte Überleben, sondern tatsächlich um ein gemeinsames Erleben geht.
Der unbewusste Teil des Gehirns (Reptiliengehirn) reagiert immer erst einmal mit Schutz und Abwehr auf Neues, uns Unbekanntes. Was noch vor ein paar Jahrhunderten überlebenswichtig für uns Menschen war. Jedoch heute in vielen Situationen nicht mehr nötig ist.
Deshalb ist es auch in Kontakt mit unbekannten Kulturen hoch sensibel und jederzeit zu Verteidigung oder Schutz bereit.
So führt also auch die Entwicklung einer fairen, globalen Wirtschaft bzw. Welt darauf zurück, das bewusste Entscheiden und Handeln im Gehirn zu trainieren. Andere Kulturen zu erleben und kennen zu lernen und nicht durch einen Schleier aus Angst, Konditionierung und Schutzinstinkten aufeinander zu treffen.

Bewusstsein, was hier Klarheit und Verantwortung über die Folgen des eigenen Handelns bedeutet, stellt schon auf nationaler Ebene oder sogar in Kleingruppen eine große Herausforderung dar. So wird es wohl noch herausfordernder, sein Bewusstsein auf globaler Ebene zu schärfen. Und obwohl diese Herausforderung enorme Ansprüche an uns stellt, wird immer klarer, dass die Entwicklung eines globalen Bewusstseins mittlerweile fast unumgänglich für jeden Einzelnen, aber auch für große Institutionen und Gemeinschaften ist.

Bei meinen Recherchen stieß ich auf Lisinka Ulatowska’s „Handbuch für Weltbürger“. Ulatowka ist studierte Psychologin und Ex UN-Mitarbeiterin. In ihrem Handbuch stellt sie einige Achtsamkeitsübungen vor, welche darauf abzielen, das eigene Bewusstsein zu schulen und dadurch automatisch, langfristig ein Bewusstsein als Weltbürger generieren sollen.

Gerne möchte ich Ihnen diese Woche eine Übung vorstellen, welche Sie ganz einfach immer und überall anwenden können, um ihr Bewusstsein langfristig weiter zu entwickeln und immer mehr erlebte Momente zu schaffen. Oder auch um sich nach einer stressigen Situation einfach kurz zu beruhigen und anschließend wieder mehr Konzentration zu spüren. Ob im Büro, in der Bahn oder zu Hause. Diese Übung erfordert nur ein paar Minuten ganz bequemes Sitzen und Atmen.

  1. Machen Sie es sich auf dem Stuhl auf dem Sie gerade sitzen gemütlich und nehmen dabei eine aufrechte Haltung ein.
  2. Achten Sie darauf, beide Beine fest auf den Boden zu stellen und spüren Sie ganze bewusst den Kontakt der Füße mit dem Boden unter Ihnen.
  3. Wenn Sie eine bequeme Haltung eingenommen haben, beginnen Sie, sich auf ihren Atem zu konzentrieren. Sie können die Augen offen halten oder schließen, wie es für Sie angenehmer erscheint. Folgen Sie mit Ihren Gedanken dem Atem. Es kann helfen sich immer wieder auf die Stelle in ihrem Gesicht zu konzentrieren, an der Sie ein Atemzug beim Einatmen als erstes sanft berührt.
  4. Wenn Gedanken aufkommen, kehren Sie sanft zum Atem zurück und/oder spüren kurz bewusst in Ihre Füße und den festen Boden darunter.
  5. Nach 5 Minuten kehren Sie zu Ihrer gewohnten Tätigkeit zurück. Und spüren, dass Sie sich wieder besser im Moment einfinden und konzentrieren können.

Sie können diese Übung beliebig verlängern oder immer wieder spontan wiederholen. Falls Sie fragen dazu haben, helfen wir Ihnen natürlich gerne weiter.

Marie Bayer, BWL-Studentin bei Kalapa