Freude in Taten packen

Freude als Zustand, den wir uns alle wünschen

Ich möchte meinen heutigen Artikel der Freude widmen. Der Freude am Leben. Und der Freude an den großen und kleinen Dingen die ich erlebe. 
Ist Freude nicht einer der Zustände, den wir uns alle wünschen? Einer der großen Wünsche, unter dem sich ganz viele kleine Wünsche verbergen?
Ich google also erst mal ''Freude'' und frage mich, was die Welt des Internets als erstes dazu meldet:
Fre̱u̱·de
Substantiv [die]
1. das intensive, positive Gefühl, dass man über etwas Gutes empfindet.
''Sein Sohn macht ihm viel Freude.''

Ich bin enttäuscht von diesem Ergebnis. Denn für mich ist vielleicht ''etwas Gutes'', etwas ganz anderes als für Sie. Und für mich geht Freude viel tiefer. 
Und wenn Ihr Sohn Ihnen Freude macht, würde dann nicht Ihre Fähigkeit, den Zustand Freude zu empfinden, an den Sohn geknüpft sein? Sie in irgendeiner Weise einschränken, diesen Zustand wann immer Sie wollen zu empfinden? Oder an Ihre Arbeit, das Wetter, Ihr Auto… etc.

Vielleicht könnte man sagen, Freude bedeutet für mich das Gegenteil von Frustration, Sinnlosigkeit und Langeweile. Stellen Sie sich diese Substantive für einen kurzen Moment durchgehend als nicht präsent bei ihrer Arbeit vor!

Alle Aufgaben mit Freude zu erledigen, würde bedeuten Misserfolge als Lernerfolge zu betrachten: in jedem kleinen Teil Ihrer Arbeit den Sinn des großen Ganzen, was Sie mit Ihrer Arbeit erschaffen, zu sehen. (Vielleicht wenn Sie die nächste Rechnung schreiben, sich über die Freude und den Vorteil des Kunden zu freuen, welche dieser jetzt mit Ihrem Produkt hat, anstatt sich darüber zu ärgern, dass Sie die Rechnungsnummer nicht finden können.)
Und in jedem Moment Ihrer Arbeit ganz beim Tun an sich zu sein, allzeit dazu bereit, achtsam, etwas Neues zu bemerken, zu lernen. Auch wenn eine Aufgabe zunächst unspektakulär erscheint.

Aufhören zu erwarten

Aber was schränkt mich darin ein, diese Freude einfach in all meine Taten zu packen? In einem Buch fand ich diese Antwort: Körperlicher Schmerz, Frustration durch Nichterfüllung unserer Wünsche und allgemeiner Lebensüberdruss. 
Vor allem die Frustration, darüber dass eine Situation gerade nicht so ist, wie ich sie mir vorgestellt habe, holt mich immer wieder ein.
 Ent-Täuschung. Die Enttarnung einer Vorstellung, welche ich von einer bestimmten Arbeit, Situation, eines bestimmten Treffens, irgendeiner bestimmten Aktion in der Zukunft hatte. Eine Erwartung, welche ich mir ausgemalt habe, die sich aber nicht erfüllt hat.
Wenn ich also aufhören würde zu erwarten, dass morgen die Sonne scheint, weil ich mir das so vorgestellt habe. Dann würde ich am Morgen vielleicht bei Regen aufwachen, aus dem Fenster sehen und freudig durch den Regen zur Arbeit stapfen, weil es nun eben regnet. Eine Erwartung birgt nämlich immer noch einen zweiten Faktor, der Freude meiner Ansicht nach einschlägig stört: Bewertung. Wenn ich eine bestimmte Situation also erwarte. Nehmen wir an, ich würde sonniges Wetter erwarten, dann würde mein Unterbewusstsein die Erfüllung dieser Erwartung mit einem positiven Gefühl versorgen. Denn das Eintreten einer Erwartung bedeutet für unser Gehirn Sicherheit. Würde es also regnen bliebe dieser positive Reiz aus.

Aus einer neutralen Perspektive betrachten

Wenn ich also weniger erwarten würde, könnte ich dann freier über die Menge der Freude entscheiden, die ich empfinde?
Beispielsweise in einer Situation, in der es darum geht, eine Beförderung zu bekommen. Angenommen, Ihr/e
 KollegeIn und Sie befinden sich beide in der Auswahl für die Stelle. Zu erwarten, die Stelle auf jeden Fall zu bekommen, weil Sie sich diese doch so sehr wünschen, und sich dann so sehr in die Vorstellung der Zukunft, mit Ihrer neuen Stelle, vielleicht etwas mehr Geld und einem eigenen Büro, hineinsteigern. Sie blenden - gesteuert von dieser Erwartung - plötzlich unbewusst aus, wie gerne Sie beispielsweise mit Ihren Kollegen in einem gemeinsamen Raum sitzen oder die freien Abende mit Ihrer Familie genießen. Denn alles zielt darauf ab, wie anders die Zukunft mit dieser Stelle aussieht. Und wenn diese Zukunft nicht eintritt, sind Sie wahrscheinlich enttäuscht.
Stellen Sie sich nun vor, Sie könnten die Situation aus einer geradezu neutralen Perspektive betrachten. Die Chancen und Qualitäten Ihres Kollegen sehen und auch seine Freude über die vielleicht bevorstehende Beförderung. Sie würden also Freude empfinden, wenn Sie die neue Stelle bekommen würden, weil Sie es sich gewünscht haben. Sie würden aber genauso freudig sein, wenn Sie in Ihrem alten Büro mit den lieben Kollegen bleiben könnten und sich mit ihrem qualifizierten Kollegen über die Beförderung freuen, weil Sie seine Freude mitfühlen können.
Dieses Mitfühlen lässt sich üben. Ich versuche es immer wieder. Und ich bemerke, dass dieses Gefühl der Freude, das entsteht, wenn ich Freude teile, sich exponentiell auf mein Umfeld ausweitet. Es muss mir nicht immer gelingen, Freude durch mich selbst entstehen zu lassen, aber wenn ich damit beginne, beginnt Freiheit zu wachsen, denn meine Freude hängt nicht mehr an einer bestimmten Situation. Und mit der Zeit wird es immer unwichtiger, ob „sein Sohn ihm viel Freude macht“, (was natürlich nicht bedeutet dass diese Freude keine große Freude ist) oder ob die Allgemeinheit eine Situation mit ''Gut'' bewerten würde.

Ich denke, damit lässt sich Frieden stiften, wenn ich eigene Freude kreiere und teile.

-Marie Bayer